Samstag, 04. Februar 2012
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Veranstaltungen

Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.

Diskussion in Imshausen.

Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.

Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.

Unsere Übersicht enthält die für die nächste Zeit feststehenden Termine der 'Imshäuser Gespräche', die grundsätzlich öffentlich sind.

Nächstes Imshäuser Gespräch
Imshäuser Gespräch am Freitag, 03. Februar 2012
Visser't Hooft-Haus im Trottenpark
Erinnerungskulturen – Vergangenheit, die nicht vergehen will
Vortrag und Gespräch

Dr. Reinhard von Trott zu Solz, Arzt und Psychotherapeut (Kassel/Imshausen)

In den letzten Jahren findet in Literatur, Film und öffentlichen Debatten eine Art „Erinnerungsboom“ statt, der einerseits die Forderung nach einem „Schlussstrich“ enthält, der aber andererseits immer wieder deutlich macht, dass die Vergangenheit nicht vergehen will und dabei, sowohl bewusst wie auch unbewusst, wesentliche Spuren in den Biographien der nachfolgenden Generationen hinterlässt.

Der Blick auf die Vergangenheit ändert sich von Generation zu Generation. Das wird nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Erinnerung an die Zeit des Zweiten Weltkrieges durch die Verschiebung der „Erlebnisgenerationen“ deutlich sichtbar: Waren es zunächst die Zeitzeugen selbst, die bestimmend waren, so sind es nun die Generationen der „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“, die ihre Vergangenheit bzw. die ihrer Eltern und Großeltern in dieser Zeit aufarbeiten.

In den letzten 20 Jahren haben sich unsere Vorstellungen davon, wie Erinnerung und Gedächtnis auf der Ebene von Gehirnfunktionen ablaufen, enorm verändert und erweitert. Neue bildgebende Verfahren ermöglichen uns, dem Gehirn sozusagen bei der Arbeit zuzusehen. Was wir dabei erkennen, ist bis jetzt erst zu einem kleinen Bruchteil verständlich. Klar ist mittlerweile, dass der überwiegende Teil unserer Gedanken und Handlungen unbewusst abläuft und dass einschneidende Erfahrungen wie z.B. auch Traumatisierungen über Generationen hin „vererbt“ werden können.

Was ist es jedoch, was Erinnerung und Gedächtnis – sowohl kollektiv wie auch individuell ausmachen? Was bedeutet Erinnern und was steuert unsere Empfindungen und unser soziales Verhalten? Was haben uns unsere Eltern und Großeltern aus ihren Erfahrungen mit dem Dritten Reich und dem Nationalsozialismus „vererbt“? Und was bedeutet dies für unsere Gegenwart und unsere Gesellschaft?

Dr. Reinhard von Trott zu Solz ist Facharzt für psychosomatische Medzin und Psychotherapie in Kassel. Nach seinem Abitur in Kassel studierte er zunächst Physik in Darmstadt und später Medizin in Freiburg. Nach seiner Assistenzarztzeit und der Anerkennung als Facharzt für Psychiatrie war er als Oberarzt an der Fachklinik Wigbertshöhe und ab 1990 als Leitender Arzt an der Klinik am Kurpark in Bad Hersfeld tätig. Ende der 1990er Jahre, nach der Anerkennung als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin ließ sich Reinhard von Trott zu Solz mit eigener ambulanter Praxis in Imshausen nieder. Seit 2003 ist er in Kassel in eigener Praxis tätig. Neben seiner Berufstätigkeit beschäftigt er sich intensiv mit ökologischen Fragen sowie mit Zusammenhängen zwischen individuellen und kollektiven Erfahrungen.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.

Nächstes Imshäuser Gespräch
Imshäuser Gespräch am Freitag, 17. Februar 2012
Herrenhaus im Trottenpark
Islam = Islamismus? – Lässt sich Extremismus islamisch legitimieren?
Vortrag und Gespräch mit Hamideh Mohagheghi, Juristin und islamische Theologin (Hannover/Paderborn)

Hören oder lesen wir „Islam“, fallen uns oft sehr schnell Begriffe wie „Islamismus“, „Extremismus“, „Ehrenmord“, „Selbstmordattentat“, „Integrationsdefizit“, „Parallelgesellschaft“ und „Kopftuch“ ein. Offen bleibt dabei die Frage, ob diese Verbindungen tatsächlich aus den Heiligen Schriften des Islam belegbar sind, oder nicht doch eher auf Missverständnissen, Pauschalisierungen und Vorurteilen beruhen.

Nicht erst seit der Einwanderung türkischer „Gastarbeiter“ zu Beginn der 1960er Jahre, sondern schon viel länger, leben Muslime in unserem Land und praktizieren ihre Religion. Doch spätestens dann, wenn Moscheen gebaut werden sollen oder wenn die Bildungsfrage diskutiert wird, stößt der viel beschworene Christlich-Islamische Dialog und die Toleranz der „Mehrheitsbevölkerung“ an ihre Grenzen.

Terroristische Anschläge und Gewalt werden von einer großen Mehrheit der Muslime, auch von den meisten religiösen Autoritäten und geistigen Führern strikt abgelehnt. Trotzdem wird die Abwehrreaktion für viele von ihnen zunehmend zum Reflex: Wenn irgendwo in der Welt eine Bombe hochgeht, und es ein Tatbekenntnis gibt, das sich auf den Koran beruft, sehen sich Millionen Muslime weltweit dazu genötigt, die Untat zu verurteilen und einmal mehr zu insistieren, dass weder die Muslime noch ihr Glaube mit dem islamistischen Terror identifiziert werden sollten.

Gibt es also tatsächlich eine theologische Rechtfertigung für Gewalt und Unterdrückung, die sich aus dem Koran und den theologischen Texten des Islam herleiten lässt? Und welche Möglichkeiten haben wir, um der auf beiden Seiten alltäglich lauernden „Pauschalisierungsfalle“ zu entgehen, die die Chance auf einen echten interreligiösen Dialog so häufig verbaut?

Hamideh Mohagheghi wurde in Teheran geboren. Sie studierte dort Rechtswissenschaften und immigrierte 1977 in die Bundesrepublik Deutschland. An der Universität Hannover studierte sie Rechts- und Religionswissenschaften. Nach langjähriger informeller Ausbildung in der islamischen Theologie absolvierte sie bei der Initiative für Islamstudien in Hamburg eine Ausbildung in islamischer Theologie. Mohagheghi ist Mitbegründerin des islamischen Frauennetzwerkes HUDA, Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland sowie Lehrbeauftragte für die Religion des Islam an der Universität Paderborn. Vom damaligen Innenminister Thomas de Maizière wurde sie als Teilnehmerin an der zweiten Deutschen Islamkonferenz berufen. Hamideh Mohagheghi hat neben ihrer umfangreichen Vortragstätigkeit zu Themen des Islam – schwerpunktmäßig zur Stellung der Frau und des islamischen Lebens in westlichen Gesellschaften - auch zahlreiche Veröffentlichungen herausgegeben.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.


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