Donnerstag, 23. Februar 2012

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Katholischer Widerstand am Beispiel Kardinal Galens im Imshäuser Gespräch

Auch Selige sind keine perfekten Menschen

Ein "politischer" Bischof war der Münsteraner Bischof Clemens August Kardinal Galen nicht, die Seelsorge stand im Mittelpunkt seines Handelns. Das machte Dr. Marcin Golaszewski gleich zu Beginn des Imshäuser Gesprächs deutlich. Dennoch wird der Name Galen sehr eng mit dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime verbunden. Dies sei, so Golaszewski, vor allem dadurch zu erklären, dass vor allem Galens drei berühmt gewordenen Predigten, die sich gegen die "Vernichtung lebensunwerten Lebens", und gegen die Enteignung von Klöstern richteten, vielen Menschen Mut zum offenen Wort und zum Handeln gemacht hätten. So fänden sich Zitate aus den Predigten Galens unter Anderem in den Flugblättern der Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Leitlinie des Handelns und Predigen Galens sei seine klare christliche Haltung gewesen, die ihn letztendlich dazu brachten, für die "von Gott verbürgten Rechte des Menschen" einzutreten.

Dr. Marcin Golaszewski.

Ein wichtiger Aspekt war der Versuch, eine Antwort auf die bis heute viel diskutierte Frage zu finden, ob Galens Handeln tatsächlich als Widerstand gewertet werden könne. Golaszewski umschrieb die Haltung des Kardinals als religiös kritisch aber politisch konform. Es sei ihm nie darum gegangen, politisch Stellung zu beziehen und er habe auch nie offen Stellung gegen die Verfolgung der Juden bezogen oder diese in Schutz genommen. Insofern könne sein Schweigen und sein Nicht-Handeln wie das einer Mehrzahl der Funktionsträger in beiden großen christlichen Kirchen durchaus als schuldhaftes Handeln gewertet werden.

Das weitgehende Fehlen politischer Stellungnahmen führte Golaszewski auf den allgemeinen Hintergrund zurück, der in den christlichen Kirchen zu beobachten war. So hätten gerade viele Konservative zunächst zu den Befürwortern des Nationalsozialismus gehört. Es sei aber, und das zeige das Beispiel des Münsteraner Bischofs auf besondere Weise, bei einigen im Lauf der Zeit eine deutliche Entwicklung hin zu einer kritischeren, wenn nicht sogar widerständigen Haltung zu erkennen. "Wir Christen machen keine Revolution!" Mit diesem Satz begann von Galen seine Predigt vom Juli 1941, in der er offen gegen die Euthanasie Stellung bezog. Dabei, so betonte Golaszewski, sei er sich völlig bewusst gewesen, dass diese Aussage durchaus starke politische Wirkung gehabt habe.

Dass diese Wirkung auch in unserer Region deutlich spürbar war, zeigt das Beispiel von Karl Hilmes, der als Pfarrer in dem kleinen Dorf Ulfen nahe Sontra 1942 gegen die Euthanasie predigte. Auf das Schicksal dieses mutigen Pfarrers wiesen während der Veranstaltung mehrere Teilnehmer an der Diskussion hin. Anders als Galen wurde Hilmes aber für ein Jahr im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. An Galen hätten sich die Behörden offensichtlich wegen seiner großen Popularität nicht herangetraut.

Marcin Golaszewski schloss seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass der 2005 selig gesprochene Kardinal von Galen zwar nicht primär politisch habe handeln wollen und dass seine Haltung nicht ohne Widersprüche gewesen sei, dass er mit seinen Worten vieles ausgelöst habe. Auch Selige seien keine perfekten Menschen, sie stünden aber für bestimmte Tugenden und für ein konsequentes Handeln auf christlicher Grundlage.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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