Freitag, 18. Mai 2012

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Diskussion beim Imshäuser Gespräch

Wozu noch Journalismus?

„Das Internet ist für uns wie elektrischer Strom – wir können unseren Job nicht ohne machen.“ Jan Schlüter, stellvertretender Chefredakteur der HNA, machte beim Imshäuser Gespräch zum Thema „Wozu noch Journalismus?“ am Freitagabend deutlich, dass das Internet die Arbeit von Journalisten zwar verändert, sie aber nicht ersetzen wird.

Diskussionsrunde.

Informationen sammeln, aus der unendlichen Menge eine Auswahl treffen und diese bewertet an Leser weitergeben – das werde auch dann noch wichtig sein, wenn die gedruckte Zeitung auf Papier durch andere Endgeräte ersetzt sein werde, sagte Schlüter. Über die Frage, was das Internet für den Journalismus bedeutet, diskutierte er auf Einladung der Stiftung Adam von Trott gemeinsam mit Dr. Stephan Weichert, Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg, und dem Medienwissenschaftler und Journalisten Leif Kramp aus Hamburg.

„Wir stehen am Anfang einer Revolution, die erst im Kleinen begonnen hat“, sagte Weichert. Der Journalismus erlebe gerade seinen größten Entwicklungssprung seit der Erfindung des Rundfunks, zitierte er den Chefredakteur von Zeit Online, Wolfgang Blau. Dafür seien ein Umdenken und ein neues Selbstverständnis bei den Journalisten vonnöten. Experimentieren statt lamentieren laute die Devise.

„Damit rennen Sie bei unserer Zeitung offene Türen ein“, sagte Schlüter und verwies auf die Vielfalt des Online-Angebots dieser Zeitung. „Wir sind sehr stark eingestiegen – vergleichsweise aber nicht mit übermäßig hohem Kostenaufwand“, erklärte er.

Wo andere für ihr Internet-Angebot getrennte Apparate geschaffen hätten, gebe es eben diese Trennlinie zu den Print-Redakteuren bei der HNA ganz bewusst nicht. Ob Zeitung oder Online-Angebot – entscheidend sei die Marke, sagte Schlüter. Wer sich über Nachrichten aus der Region informieren wolle, solle an der Marke der Zeitung erkennen, dass er diese in bewährter Qualität über sie auch im Internet finde.

„Es gilt, nicht mehr über und für, sondern mit den Lesern zu berichten“, erklärte Leif Kramp. Journalismus sei künftig nicht mehr als Produkt, sondern als Prozess zu verstehen, der mit der Veröffentlichung nicht abgeschlossen sei. „Die Einbindung des Nutzers ist eine Aufwertung – weil sie zu einer Veredelung des Angebots führen kann“, sagte Weichert.

Ist das Internet nun gut oder schlecht für den Journalismus? Diese Frage aus dem Publikum wollten alle drei Medien-Profis nicht pauschal beantworten. „Man muss das Richtige daraus machen“, sagte Schlüter. Den Königsweg für die Vereinigung von Internet und Journalismus habe schließlich noch niemand gefunden, erklärte Weichert.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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