Imshäuser Gespräch: Onine über Rechtsextremismus informieren und Aussteiger beraten
Mit eigenen Waffen schlagen
Ein Zeichen setzen gegen Rechtsradikale genau an dem Ort, an dem diese besonders aktiv sind: Das ist das Ziel von Martin Ziegenhagen, der Mitarbeiter der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus ist. Beim Imshäuser Gespräch stellte Ziegenhagen dar, wie sein Verein "Gegen Vergessen für Demokratie e.V." Opfer, Angehörige und potenzielle Aussteiger betreut und berät.
|
 |
|
Martin Ziegenhagen. |
"Das Problem ist, dass Rechtsextreme heute nicht mehr nur als brutale Schlägertypen in Springerstiefeln auftreten", sagte Ziegenhagen auf der Veranstaltung. Vielmehr sei der vermeintlich nette Nachbar von nebenan im Aufwind. Er organisiere Kinderfeste, engagiere sich in der Dorfgemeinschaft, biete Schuldnerberatung an und setze sich für andere ein. Oft sei es für Außenstehende sehr schwierig, solche Leute und Organisationen richtig einzuschätzen. Häufig, so berichtete Ziegenhagen, seien es Eltern und Lehrer, die die Online-Beratung in Anspruch nähmen. "Viele befürchteten, dass ihre Kinder oder Schüler in die rechte Szene abgleiten", sagte Martin Ziegenhagen. Die Online-Beratung wird von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.
Die Beratungsmöglichkeit per Internet sei eine gute Lösung für Menschen, die den Weg in eine "traditionelle" Beratungsstelle eher nicht fänden. Immerhin sei das Thema immer noch mit Scham und Ängsten besetzt - und manchen Menschen helfe die Erkenntnis, dass sie mit ihren Problemen nicht allein seien.
Das Aussteigen aus der Szene ist nicht nur für Jugendliche ein großes Problem. Ziegenhagen: "Die rechte Szene setzt wirklich alles daran, Aussteiger wieder zurückzuholen. Deswegen brauchen diese Menschen neben der Online-Beratung weiter, umfangreiche Hilfen.
Die Online-Beratung, setze somit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Er selbst, so gab Ziegenhagen zu, sei anfangs eher skeptisch gewesen, ob eine Beratung via Internet tatsächlich möglich sei. Aber die steigenden Zugriffszahlen in den vergangenen zwei Jahren zeigten, dass die angebotenen Hilfen und Informationen gut angenommen würden.
Kampf gegen Rechtsextremismus erfordere viel Courage, einen langen Atem und auch ein Gefühl für die Situationen, in denen es manchmal besser sei, den Mund zu halten. Die Online-Beratung ist unter www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.deerreichbar.
Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de
|