Samstag, 04. Februar 2012
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Medienjurist Behrmann streicht positive Aspekte von Computerspielen heraus

Spiele aus der Schmuddelecke holen

Computerspiele seien ein Medium der Zukunft. Sie versprächen technische Innovation, die weit über ihre Anwendungsmöglichkeiten im Spiel hinausgingen. Durch einen allgemein möglichen Zugang ermöglichten sie demokratische Strukturen und sie seien ein Kulturgut. Davon zeigte sich der Medienjurist und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Spieleentwickler, Dr. Malte Behrmann, überzeugt. Er war auf Einladung der Stiftung Adam von Trott und der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Imshausen gekommen.

Dr. Malte Behrmann.

Er warb dafür, dass die elektronischen Spiele aus der "Schmuddelecke" geholt und als Teil unseres kulturellen Erbes anerkannt werden sollten. Mit einem Videoausschnitt aus einem aktuellen Spiel demonstrierte Behrmann, welche neuen Möglichkeiten die Technik sowohl in Bezug auf Graphik als auch auf Interaktivität von Spielen heute bieten kann.

Behrmann plädierte dafür, dass es vergleichbar mit der Filmförderung auch eine staatliche Förderung der Spieleindustrie geben müsse, weil sonst gerade die kleineren Firmen dieser Branche, die sich durch besondere Kreativität auszeichneten, gegenüber den großen, weltweit operierenden Konzernen das Nachsehen hätten. Schon jetzt sei ein deutlicher Trend zur Abwanderung aus Deutschland zu erkennen. Andere Länder wie beispielsweise Frankreich oder Finnland seien deutlich stärker technologieorientiert und böten Entwicklerfirmen bessere Arbeitsbedingungen als Deutschland. Behrmann betonte, dass jedes Land eine eigene Spieleindustrie brauche, weil nur so die spezifischen Bedürfnisse der Spieler erfüllt werden könnten, die in den verschiedenen Ländern recht unterschiedlich seien.

Behrmann stellte klar, dass er sich an der Debatte über so genannte "Killerspiele" nicht beteiligen wolle, zumal die viel diskutierten "Ego-Shooter" lediglich über einen sehr kleinen Marktanteil verfügten. Ihm gehe es vor allem darum, die positiven Aspekte der elektronischen Spiele in den Mittelpunkt zu stellen. Nach kritischen Fragen aus dem Publikum machte Behrmann deutlich, dass anders als die Gewalt- die Suchtfrage auch für ihn und seinen Verband eine wichtige Rolle spiele. Er forderte einen offenen Umgang mit der Suchtgefahr, zeigte sich jedoch überzeugt, dass "echte" Spielesucht nur in Einzelfällen vorkomme. Aus der Suchtdebatte dürfe auf keinen Fall eine neue Verbotsdebatte entstehen. Im Übrigen seien insbesondere bei Jugendlichen die Eltern wesentlich verantwortlich für den Spielekonsum ihrer Kinder. Anstatt Verbote auszusprechen sollten sich die Eltern für die Aktivitäten ihrer Kinder interessieren. Außerdem, so Behrmann, böten sowohl moderne Betriebssysteme als auch bestimmte Online-Spiele wie beispielsweise durchaus Möglichkeiten zur zeitlichen Nutzungsbegrenzung. Behrmanns sehr positive Einstellung zu Computerspielen wurde allerdings nicht von allen Zuhörern in Imshausen geteilt. Die Kritiker wiesen auf mögliche Gesundheitsgefahren durch Bewegungsmangel, auf das Suchtpotenzial, auf übermäßige Gewalt in einigen Spielen und auf die Gefahr der Fremdbestimmung durch die Technik hin. Behrmann zeigte sich demgegenüber überzeugt davon, dass es über kurz oder lang zu einer Angleichung zwischen virtueller und realer Welt kommen werde und das sei keine Vorstellung, die ihn erschrecken ließe.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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