Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe sprach über deutsche Geschichtsbilder
1989 war der Wiederbeginn
"Die Zukunft ist mehr als eine Hochrechnung der Gegenwart" - mit diesem Plädoyer für eine gemeinsame Arbeit an der Erinnerung an die deutsche Teilung schloss Ulrike Poppe ihren Vortrag beim Imshäuser Gespräch. In ihm ging es allgemein um die Entwicklung von Geschichtsbildern und im Besonderen um die Erinnerung an die DDR. Dass dieses Thema die Menschen auch in unserer Region besonders bewegt, wurde spätestens bei der anschließenden, sehr lebendigen Diskussion deutlich.

Ein einzigartiges Datum
Einschneidende Ereignisse in Deutschland am 9. November
Revolutionen laufen nicht nach Plan, und meist wird nicht das erreicht, was sich die Initiatoren im Vorfeld von ihnen versprochen haben. Dieses Fazit zog Professor Dr. Christian Jansen jüngst am Schluss seines Vortrages in Imshausen. Der Berliner Historiker hatte den Zuhörern in der gut besuchten Halle des Imshäuser Herrenhauses zuvor den 9. November als besonderes „deutsches“ Datum vorgestellt. Man könne fast in eine Art Zahlenmystik verfallen, wenn man sich anschaue, welche wichtigen historischen Ereignisse an einem 9. November geschehen seien: Die Reichspogromnacht, Hitlers Marsch auf die Feldherrnhalle und der Mauerfall von 1989.

Erinnerungen lebendig halten
Imshäuser Gespräch über jüdische und christliche Gedenktradition
"Solches tut zu meinem Gedächtnis!" Diese Aufforderung findet sich in jeder Abendmahlsfeier. Dass dieser Satz als Überschrift über dem Imshäuser Gespräch mit dem Theologen Professor Dr. Rainer Kessler aus Marburg stand, war selbstverständlich kein Zufall: Die Einsetzungsorte zum Abendmahl bilden eine der zentralen Stellen in Bibel und Tora, in denen Erinnern und Gedenken im Mittelpunkt steht.

Jiri Silny über den Prager Frühling
Erinnerung an Klima der Angst
Studentenunruhen im Westen, der Prager Frühling im Osten: Das so prägende Jahr 1968 wurde völlig unterschiedlich wahrgenommen. Diese Erkenntnis wurde bei der Diskussion nach Dr. Jiri Silnys Vortrag über den "Prager Frühling" während des Imshäuser Jahrestreffens deutlich. Auch wenn damals keine Soldaten der Nationalen Volksarmee in der Tschechoslowakei einmarschierten, war das Ende des "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" für viele DDR-Bürger ein echtes Trauma.

Kasachische Klänge
Nationalorchester aus Alma Ata in Imshausen
Weitgereister Besuch hatte sich in der Stiftung Adam von Trott in Imshausen angesagt: 114 Mitglieder des Orchesters des kasachischen Nationalkonservatoriums aus Alma Ata, die sich derzeit auf einer Konzertreise durch Deutschland befinden, besuchten Stunden das Herrenhaus in Imshausen und wanderten nach einem Imbiss und einer Besichtigung zum Gedenkkreuz für Adam von Trott zu Solz.

Ein Ausflug ins Paradies
Fünf moldawische Waisenkinder zu Besuch in Imshausen und Umgebung
"Ein Weisenhaus in Moldawien muss man sich vorstellen wie ein Gefängnis: So dicke Mauern", sagt Dr. Jochen Höpfner und breitet die Arme ganz weit aus, "und immer sind sie feucht". Von Kindern, die unter Krätze leiden, weil es kein fließendes Wasser gibt, erzählt er. So ist der Aufenthalt in Imshausen für fünf moldawische Waisenkinder wie ein Ausflug ins Paradies.

Beherzigt ihr Beispiel
Gedenkfeier für den Widerstandskämpfer Adam von Trott - Europa im Mittelpunkt
"Von Adam von Trott lässt sich lernen, dass Politik realistisch und zugleich fantasievoll sei muss. Sie sucht einen Weg, unterschiedliche Interessen zu verbinden, Brücken zu schlagen." Das sagte Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Direktor des Evangelischen Predigerseminars in Hofgeismar, während der Gedenkfeier zu Ehren von Adam von Trott zu Solz. Der Widerstandskämpfer, der in Imshausen aufgewachsen war, wurde am 26. August 1944 im Alter von 35 Jahren von den Nazis in Berlin-Plötzensee hingerichtet. "Hingerichtet mit den Freunden im Kampfe gegen die Verderber unserer Heimat. Bittet für sie, beherzigt ihr Beispiel." So steht es auf dem Gedenkstein unter dem Trottenkreuz, das Adams Brüder 1949 bei Imshausen aufgestellt hatten.

Aliyeh Yegane Arani in Imshausen
Mit der Vielfalt umgehen
Einblicke in eine Welt der Vielfalt erwartete die Besucher des letzten Imshäuser Gespräches in der Veranstaltungs-Reihe "Vom Umgang mit den Anderen". Unter der Überschrift "Managing Diversity" stellte Aliyeh Yegane Arani aus Berlin ihre Arbeit einem diskussionsfreudigen Publikum im Imshäuser Herrenhaus vor. Eine Welt der Vielfalt - unter diesem Motto stehen die in der Tradition der amerikanischen Bürgerbewegung wurzelnden Bildungsprojekte, die von Arani mit entwickelt worden sind.

Sergey Lagodinsky über das Leben deutscher Juden
Die Koffer sind ausgepackt
„Natürlich fühle ich mich als Anderer, aber für mich ist jeder ein Anderer.“ So eröffnete Sergey Lagodinsky das Imshäuser Gespräch zum Thema „Jude in Deutschland oder deutscher Jude“ in der Reihe „Vom Umgang mit den Anderen“. Und wie die Ankündigung es versprach, wurde es eine interessante, kluge und kommunikative Veranstaltung. Lagodinsky, Gründer und Sprecher des Arbeitskreises Jüdischer Sozialdemokraten, hatte Spannendes zu berichten und traf in Imshausen auf ein äußerst interessiertes Publikum.

Peter Thelen über die Roma und ihre Probleme
Wenn Ausgrenzung Alltag ist
Roma, Zigeuner, Gipsy, Sinti - dies sind nur vier der 150 Bezeichnungen, mit denen eine der größten Minderheiten in Europa benannt wird. Zwölf bis 15 Millionen Roma leben in Europa, zehn Millionen in den Ländern der Europäischen Union. Mit Professor Dr. Peter Thelen, der im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung in Ungarn und Mazedonien Projekte mit Roma geleitet hat, hatte die Stiftung Adam von Trott einen Experten nach Imshausen eingeladen. Thelen schlug den Bogen von der Geschichte des Volkes der Roma, die vor sechs Jahrhunderten wahrscheinlich aus Indien nach Europa kamen.

Lale Akgün sprach über Bedeutung von Integration
Die Bildung gibt den Ausschlag
Mit einem großen Lob für die enorme Integrationsleistung, die die deutsche Gesellschaft in den vergangenen 50 Jahren vollbracht hat, startete die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün in Imshausen ihren Vortrag. Sie sprach am Freitag zum Thema Chancengleichheit und Wir-Gefühl in der Einwanderungsgesellschaft. Durch die Darstellung der verschiedenen Einwanderungswellen machte sie klar, dass je nach Migrationshintergrund Zugewanderte unterschiedlich große Probleme damit hätten, sich in die Gesellschaft hineinzufinden.

Die ehemalige Ausländerbeauftragte Brandenburgs beim Imshäuser Gespräch
Toleranz als Schulfach
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, hat der bayerische Kabarettist Karl Valentin einmal gesagt. Und genau dieser Ausdruck war das Motto der Startveranstaltung zu einer neuen Serie von Imshäuser Gesprächen: „Vom Umgang mit den Anderen“ heißt die aktuelle Veranstaltungsreihe der Stiftung Adam von Trott.

Holocaust-Gedenktag Thema des Imshäuser Gesprächs
Schweigen über das Geschehene
Es war ein eindrückliches und sehr persönliches Imshäuser Gespräch kurz vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag. "Das Unsagbare in Worte fassen. Der Holocaust aus der Sicht junger Menschen" war das Thema der Veranstaltung, zu der viele Gäste ihre ganz privaten Erfahrungen ehrlich, mutig und auch emotional mitteilten. Eingeladen hatte die Stiftung Adam von Trott.

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