Cornelia Schmalz-Jacobsen in Imshausen
Würdigung der stillen Retter
Es gab sie: couragierte Deutsche, die während des Nationalsozialismus jüdischen Mitbürgern das Leben retteten, indem sie sie beispielsweise in ihren Wohnungen versteckten. Um sie und um die spannenden Fragen, wer diese stillen Helden waren und warum sich Politik und Wissenschaft nicht intensiver mit ihnen beschäftigt haben, ging es bei den Imshäuser Gesprächen, die von Kurt Meyer moderiert und von Irina Davidova musikalisch untermalt wurden.

Ungeschriebene Briefe eines Vaters las Peter-Ulrich Schedensack
Wir haben es in der Hand
"Er wirft mir vor, dass ich die zwölf Jahre gestrichen habe, dass ich mich verstecke... Ob er mich hasst?... Den Vater in Teile zerlegen, das will er, in brauchbare und unbrauchbare..." Der Autor Peter-Ulrich Schedensack trägt ungeschriebene Briefe eines Vaters und ehemaligen SS-Mannes an seinen Sohn vor. "Er wirft mir vor, dass ich die zwölf Jahre gestrichen habe, dass ich mich verstecke... Ob er mich hasst?... Den Vater in Teile zerlegen, das will er, in brauchbare und unbrauchbare..." Der Autor Peter-Ulrich Schedensack trägt ungeschriebene Briefe eines Vaters und ehemaligen SS-Mannes an seinen Sohn vor.

Ehrung für Versöhnungsarbeit
Joachim Garstecki erhält Lothar-Kreyssig-Friedenspreis
Der frühere Generalsekretär der deutschen Sektion der katholischen Friedensorganisation „Pax Christi“ und Kurator der Aktion Sühnezeichen, Joachim Garstecki, wird in diesem Jahr mit dem Lothar-Kreyssig-Friedenspreis geehrt. Der katholische Theologe erhält die Auszeichnung für sein Lebenswerk, der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Die öffentliche Verleihung findet am 3. November um 11 Uhr in der Magdeburger Johanniskirche statt. Die Laudatio hält Canon (Domkapitular) Dr. Paul Oestreicher, langjähriger Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums der Kathedrale im englischen Coventry.

Welf Botho Elster präsentiert Buch über Vater
Gefangenschaft statt Tod für die Soldaten
"Ich danke Ihnen, dass ich an einem so hehren Ort des Widerstandes den Inhalt dieses Buches präsentieren darf", begann Welf Botho Elster, Jurist aus Hohenhameln, seine Lesung bei der Stiftung Adam von Trott. Das Buch, das Elster 2004 geschrieben hatte und nun in Imshausen vorstellte, trägt den Titel "Die Grenzen des Gehorsams. Das Leben des Generalmajors Botho Henning Elster in Briefen und Zeitzeugnissen" und handelt von Welf Elsters Vater. Weitgehend unbekannt und unerwähnt, war es Botho Elster, der sich und 18 850 deutsche Soldaten und 754 Offiziere am 16. September 1944 den Amerikanern in Beaugency in Frankreich ergab.

Liederlinge spielten ein Konzert der etwas anderen Art
Älter werden mit Satire
Ein Chor, der Satire macht: Nicht gerade alltäglich - aber genau das konnte das Publikum beim Konzert der „Liederlinge“ aus Köln im Imshäuser Trottenpark erleben. Mit viel Humor und Charme wurden das Älterwerden und das gesellschaftliche Drumherum auf die Schippe genommen. Die Liederlinge thematisierten die schlechte Bezahlung von Pflegekräften oder das Arbeitslosengeld II - Gesellschaftskritik mit flotten, eingängigen Texten und Melodien zum Mitschunkeln. Und einer gehörigen Portion Satire.

Christoph R. Hörstel in Imshausen
Frieden ist möglich
Der Frieden könnte im kriegsgebeutelten Afghanistan wiederhergestellt werden. Das war die Quintessenz eines Vortrages des Münchner Journalisten und Buchautors Christoph R. Hörstel am Samstagabend in Imshausen. Hörstel reist seit 22 Jahren immer wieder nach Afghanistan. Er hat einen Plan entwickelt, mit dessen Hilfe innerhalb von fünf Jahren tiefgreifende Veränderungen in dem zentralasiatischen Staat bewirkt würden. Wenn die Europäische Union diesen Plan in die Tat umsetzte. "Nachhaltigen Frieden in einem solchen auch von uns kaputt gemachten Land zu schaffen, ist eine verdammt langwierige Angelegenheit", erläuterte der Journalist.

Die Frau Adam von Trotts
Clarita von Trott zu Solz zum Neunzigsten
Ihre Ehe mit dem Diplomaten Adam von Trott zu Solz dauerte nur vier Jahre; dennoch hat diese Zeit ihr Leben nachhaltig geprägt. Am heutigen 19. September feiert Dr. Clarita von Trott zu Solz in Berlin ihren 90. Geburtstag. Clarita Tiefenbacher wurde 1917 als Tochter eines Hamburger Rechtsanwaltes geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein Landjahr und eine Büroausbildung, hinzu kamen einige Aufenthalte im Ausland. Adam von Trott zu Solz lernte sie kennen, als dieser 1935 während seiner juristischen Ausbildung einige Monate bei der Hamburger Levantelinie arbeitete.

Lothar-Kreyssig-Friedenspreis
Joachim Garstecki wird geehrt
Joachim Garstecki, bis Anfang des Jahres Geschäftsführender Studienleiter unserer Stiftung und langjähriger Friedensreferent des DDR-Kirchenbundes, erhält den Lothar-Kreyssig-Friedenspreis. Damit wird der katholische Theologe und Mitherausgeber von Publik-Forum für seine Friedens- und Versöhnungsarbeit gewürdigt. Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte sei er Vordenker, Anreger und Moderator in der friedenspolitischen Arbeit gewesen, so das Kuratorium. So habe er beispielsweise Konzeptionen für die Friedensarbeit wie etwa "Erziehung zum Frieden" oder "Absage an Geist, Logik und Praxis der Abschreckung" mitentwickelt. Zudem habe er als Geschäftsführer der Adam-von-Trott-Stiftung die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der deutschen Nachkriegsgeschichte nachhaltig gefördert.
Ehepaar Kulesza in Imshausen
Chance zum Brückenbauen
Interessiert, engagiert und bisweilen auch emotional war die Stimmung bei der Diskussion um das sensible Thema "Deutsche und Polen – Aufarbeitung der Geschichte als Chance zum Brückenbauen?" im Herrenhaus der Stiftung Adam von Trott. Die Diskussion war Teil des Imshäuser Jahrestreffens 2007. Vorangegangen war ein Vortrag von Professor Dr. Witold Kulesza aus Lodz über die Aufarbeitung von NS-Verbrechen, mit denen sich Kulesza jahrelang in seinen Funktionen als Direktor der Hauptkommission zur Untersuchung von Verbrechen gegen die Polnische Nation und stellvertretender Generalstaatsanwalt Polens befasst hat.

Mutig das Nein wagen
Über 100 Menschen nahmen an der Gedenkfeier zum 20. Juli teil
Die Sonne meinte es gut mit den etwa 100 Gästen der Gedenkfeier zum 20. Juli, die am Freitagabend zum Imshäuser Kreuz gekommen waren. Gerade zu Beginn der so herrlich gelegenen Gedenkstätte oberhalb des Dorfes ließ sie sich wieder blicken, nachdem am Nachmittag noch ein heftiger Regenguss den Boden aufgeweicht hatte. Auch die Lautprecheranlage hatte gelitten. Während der Gastredner aus Berlin, Uwe Neumärker, seine bedenkenswerten Überlegungen zum 20. Juli vortrug, waren immer wieder Geräusche zu hören, als trete jemand kräftig gegen einen Ball.

Gedenken an die stillen Helden des 20. Juli
Erinnerung: Uwe Neumärker spricht am Imshäuser Kreuz
Jahrgang 1970, in der DDR geboren, heute zuständig für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin: Uwe Neumärker bot in seiner Gedenkrede am Trottenkreuz eine auch durch seine eigene Biografie geprägte Annäherung an den 20. Juli 1944, dem Tag des gescheiterten Attentats auf Hitler.

Traditionen als Schutzhütte
Imshäuser Gespräch mit Prof. Dr. Heiner Bielefeldt
"Integration ist immer die Integration von Menschen, nicht von Kulturen." Mit diesem Satz brachte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt aus Berlin, der Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte, seine Botschaft auf den Punkt. Er hielt in Imshausen einen Vortrag über Integration. Dazu eingeladen hatte die Stiftung Adam von Trott. Dabei erläuterte der Referent kurz die Entwicklung dieses Begriffs in den vergangenen Jahrzehnten vor den wechselnden Sachverhalten deutscher Einwanderungspolitik.

Wahre Einstellung versteckt
Friedhelm Röder sprach in Imshausen über das Leben eines Widerstandskämpfers
Ein Abituraufsatz von 1923 und drei Abschiedsbriefe von 1943 diese beiden Texte stellte Dr. Friedhelm Röder einander gegenüber, um die Besucher des Imshäuser Gesprächs mit dem Leben von Dr. Georg Groscurth vertraut zu machen.
Groscurth, der in Unterhaun geboren wurde, war als Arzt und Wissenschaftler in Berlin tätig und gründete zusammen mit Robert Havemann die Widerstandsgruppe „Europäische Union”, die 1943 verraten wurde. Er und die anderen Mitglieder wurden hingerichtet.
Anders als sein prominenter Mitkämpfer Havemann, der überlebte, wurde Groscurth in der Nachkriegszeit weitgehend vergessen. Der Hersfelder Arzt Friedhelm Röder beschäftigt sich jedoch bereits seit mehreren Jahren intensiv mit der Geschichte des Widerstandskämpfers.

Sich ein Herz gefasst: Gedenkbuch erinnert an evangelische Märtyrer
Ihr schreckliches Ende schaut an
Der Referent wollte keine Eulen nach Athen tragen: Schließlich werde bei den Gedenkfeiern in Imshausen am 20. Juli der Geist von Adam von Trott lebendig gehalten. Sie "erinnern an den Mann, der sein eigenes Leben eingesetzt hat, weil er ein so überzeugter Christ war", sagte Dr. Harald Schultze, einer der Herausgeber des über 700 Seiten starken Gedenkbuchs "Ihr Ende schaut an - Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts".

Historische Figur benutzt
Dr. Frank Helzel in Imshausen
Gebückt steht er da, der kleine Bär, und hat sich die Tigernase aufgesetzt. Nur damit glaubt er, ganz stark zu sein. "Die Kraft kommt von der Tigernase", steht unter dem bekannten Bild von Janosch. Dr. Frank Helzel aus Bad Wildungen machte mit dieser Illustration deutlich, dass Idole und Vorbilder für den Menschen wichtig und gleichzeitig auch gefährlich sein können. "Wir können nicht ohne. Aber was wird uns mit ihnen geboten?", fragte der Referent, der am Freitagabend zu Gast bei den Imshäuser Gesprächen im Trottenpark war.

Einer, der Spuren hinterlässt
Joachim Garstecki als Studienleiter verabschiedet
Wenn eine Verabschiedung Anlass gibt, 170 Gäste einzuladen, dann lässt das aufhorchen. Wenn diese 170 dann auch noch so gut wie vollzählig erscheinen, ist das erstaunlich. Zumal, wenn sie nicht alle um die Ecke wohnen, sondern im ganzen Land verteilt. Aber es war schließlich ein ganz Besonderer, der da in Imshausen in den Ruhestand entlassen wurde: Joachim Garstecki. Damit alle Platz finden konnten, die dabei sein wollten, musste man vom Herrenhaus auf den Tannenberg umziehen, zur Kommunität Imshausen.

Wechsel im Verein Stiftung Adam von Trott
Ute Janßen neue Geschäftsführerin
Ute Janßen freut sich sehr auf ihre neue Aufgabe. Die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus, wenn sie davon spricht. In diesen Tagen beginnt sie ihre Arbeit als Geschäftsführerin des Vereins Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Sie tritt in diesem Aufgabengebiet die Nachfolge von Joachim Garstecki an, der als geschäftsführender Studienleiter in den Ruhestand geht.

Studienleiter geht in den Ruhestand
Garstecki: Es war eine tolle Zeit für mich
Sechs Jahre lang hat Joachim Garstecki der Stiftung Adam von Trott in Imshausen ein Gesicht gegeben. Am 28. Februar 2007 wird der Magdeburger Theologe 65 Jahre alt - und geht in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm über schöne Jahre in Imshausen, Abschiedsgefühle und Pläne.
Herr Garstecki, wie würden Sie heute, wenige Wochen vor Ihrem Abschied aus Imshausen, Ihre Gemütslage beschreiben?
Joachim Garstecki: Es ist ein merkwürdiger Zustand. Einerseits habe ich hier noch viel zu tun. Nicht zuletzt werde ich meine Nachfolgerin in der Geschäftsführung, Ute Janßen, einarbeiten. Für Abschiedsschmerz habe ich gar keine Zeit. Andererseits bin ich manchmal schon wie auf einem anderen Stern. Alles geht auf diesen einen Tag hin.

Thema Rechtsextremismus
Gast in Imshausen: Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar
Eine "bündige Antwort" hatte er nicht parat. Doch wenngleich Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar seine Zuhörer zu Beginn erst einmal mit dieser Aussage ernüchterte, entließ er sie am Ende nicht resigniert. "Ohne die anstrengende Verarbeitung würde der aktuelle Rechtsextremismus noch viel schlimmer aussehen", sagte der Erziehungswissenschaftler aus Kassel zum Abschluss seines Referats am Samstagabend.

|