Widerstand kann jeder leisten
Pröpstin Marita Natt hielt die Gedenkrede
"Ich denke manchmal, beim Wort Widerstand schwingt heute etwas zu viel Romantik mit." Pröpstin Marita Natt zog in ihrer Gedenkrede Vergleiche zur Gegenwart. Widerstand leisten, sagte sie, könne jeder für sich oder in der Gruppe. Auch im Alltag gebe es Situationen, gegen die man sich auflehnen müsse.
Bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes zur Buchenwaldausstellung habe sie von Jugendlichen öfter gehört: "Mit mir hätten die das nicht gemacht. Zur Hitlerjugend wäre ich nie gegangen. Ich hätte den Kriegsdienst verweigert." Heutige Argumente müsse man unter den damaligen Bedingungen betrachten.
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Pröbstin Marita Natt. |
Widerstand habe in der Nazizeit einen ganz anderen Stellenwert gehabt, sei viel negativer besetzt und viel gefährlicher gewesen. "Da war ein Staat, der gegen Demonstranten keine Wasserwerfer brauchte, weil er über Maschinengewehre verfügte", sagte Marita Natt. "Ein Regime, das dem Widerstand keine Medienpräsenz einräumte."
Die damalige Bevölkerung Deutschlands sei durch tiefe gesellschaftliche Gräben voneinander getrennt gewesen. Daher sei es umso bemerkenswerter, dass es überhaupt Widerstandsbewegungen gegeben habe. Neben dem militärischen Widerstand habe es Initiativen unter anderem in der Kirche, im bürgerlichen Lager, bei Studenten und in der Arbeiterschaft gegeben. Einig seien alle darin gewesen, dass der eingeschlagene Weg Deutschland ins Verderben führte. Aber dass man Hitler nur durch ein Attentat hätte stoppen können, diese Erkenntnis sei erst sehr spät gereift. Außerdem habe es nicht viele Möglichkeiten zum Tyrannenmord gegeben. "Die meisten kamen niemals auch nur in die Nähe von Hitler", sagte Marita Natt.
Das habe auch die Gruppe um Adam von Trott zu Solz gewusst, der Kreisauer Kreis. Dessen Ziel sei der Kontakt zu den Westmächten gewesen. Im Falle eines geglückten Attentats habe man mit diesen über ein Nachkriegsdeutschland reden wollen. Adam von Trott sei mit seinen internationalen Beziehungen genau der Richtige dafür gewesen.
Marita Natt zitierte aus dem letzten Brief von Adam von Trott zu Solz an Frau und Kinder: "Ich sterbe in tiefer Zuversicht und Glauben. (...) Lehre unsere süßen Kleinen diese Zeichen und die noch tieferen unseres Gottes dankbar, aber auch tätig und kämpferisch zu verstehen." (zvk)
Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg |
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