Freitag, 18. Mai 2012
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Auslaufmodell Atomenergie

Dr. Lutz Mez erteilte dem Ausstieg aus dem Ausstieg eine Absage

Text und Foto von Vera Walger

Dass er ein Feind der modernen Technik wäre, kann man Dr. Lutz Mez wahrlich nicht vorwerfen. Statt Papier und Pult benötigte er für seinen Vortrag ein Laptop. Haufenweise bunte Diagramme, Zahlen und Fakten projizierte er damit unaufgeregt an die Wand des Imshäuser Herrenhauses. Mausklick für Mausklick ging es in seiner Powerpoint-Präsentation dennoch einer Technik an den Kragen. Einer, die viele immer noch für besonders modern halten: Kernenergie.

Dr. Lutz Mez erteilte dem Ausstieg aus dem Ausstieg eine Absage.

Der Ausstieg aus dem Atomausstieg ist etwas, das seit dem Regierungswechsel in Deutschland wieder diskutiert wird. Grund genug für den Verein Stiftung Adam von Trott, dieses Thema beim Imshäuser Gespräch am Mittwoch aufzugreifen. Dr. Lutz Metz ist Politikwissenschaftler, Fachmann für Atomtechnik und Atomwirtschaft. Der Abend mit ihm war der dritte in der Reihe "Das zerbrechliche Gefäß Leben".

Auch wenn man in Deutschland nun wieder diesen Eindruck bekommen kann - es gibt, meint Dr. Mez, kein Comeback der Atomenergie. Im Gegenteil: Kernkraft, sagt er, ist ein Auslaufmodell - und zwar weltweit. Und das liegt nicht nur an den Risiken, die einem am 20. Jahrestag nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wieder einmal bewusst werden. Dr. Mez listete noch eine ganze Reihe größerer Störfälle und Katastrophen auf - von Greifswald bis Harrisburg. "Und nur einige sind uns bekannt", sagt er.

Die Zahlen bezeugen, dass die Atomtechnik ihren Zenit erreicht habe, erklärte Dr. Mez. 443 Reaktoren seien weltweit in Betrieb, nur 27 in Bau. Über die Hälfte der Anlagen müssten in den nächsten 20 Jahren ohnehin stillgelegt werden, auch ohne Ausstiegsbeschlüsse. Dabei spielen betriebswirtschaftliche Gründe eine große Rolle. Auch das Argument, Atomtechnik sei gut für den Klimaschutz, sei nicht haltbar, meinte Dr. Lutz Mez. Für die Anreicherung werde fossile Energie benötigt. Außerdem würden andere Treibhausgase ausgeschieden.

"Eine Renaissance gibt es nicht, und sie lässt sich auch nicht herbeireden", stellte Dr. Mez kühl fest. Die Diskussion um verlängerte Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland lenke nur von einem viel schwierigeren Problem ab: der Endlagerung des Atommülls. "Wer zahlt für den Atommüll, und wo kommt er hin?" Darauf müsse man sich jetzt konzentrieren. Schließlich gehe es darum, den Müll sicher zu verwahren - für unvorstellbar lange Zeit. Wirklich zukunftsträchtig und modern ist für Dr. Lutz Mez die Nutzung der erneuerbaren Energien, vor allem der Solarenergie. Deren Anteil sei in Deutschland in den vergangenen Jahren erstaunlich gestiegen, stellte er zufrieden fest.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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