Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Vergnügliches Konzert mit Renate und Roland Häusler in Imshausen

Musikalische Zeitreise in die Nachkriegszeit

Eine musikalische Zeitreise in die Nachkriegszeit und die Kinderjahre der Bundesrepublik Deutschland unternahmen Renate und Roland Häusler gemeinsam mit ihrem Publikum im Imshäuser Herrenhaus. Mithilfe von Gitarre, Mandoline und Violine, erzählte das Guxhagener Ehepaar Zeitgeschichte in Schlagern und Chansons und brachte damit auch dem Jubilar Grundgesetz zum 70. Geburtstag eine Glückwunschbotschaft.

Die Lieder, die auch unter den jüngeren Zuhörern offensichtlich einen großen Bekanntheitsgrad genossen, wurden auf humorvolle Art in einen historischen Zusammenhang gestellt und dabei an vielen Stellen mit einem ganz subjektiven Blickwinkel ergänzt, etwa, wenn Renate und Roland Häusler an ihren ersten VW-Käfer oder an die Lebensgeschichten der Flüchtlinge und Vertriebenen in ihrer eigenen Familie erinnerten.

Renate und Roland Häusler.

Erinnerungen wurden auch beim Publikum angesichts der Lieder wach, sehr schnell wurde auch mitgesungen. Die schon 1943 entstandenen „Caprifischer“ konnten erst Ende der 40er Jahre die Sonne im Meer versinken sehen, weil für Italiensehnsucht und Fernweh während des Krieges kein Raum mehr blieb. Empfindlich reagierten die Alliierten auf den Karnevalsschlager, der die „Eingeborenen von Trizonesien“ besang. Mit dieser Art trotzigem Galgenhumor machten sich die Deutschen nicht beliebt, sondern bekamen vorgeworfen, sie würden ihre Schuld leugnen. Für die Gleichberechtigung der Frauen, die 1949 im Grundgesetz festgeschrieben wurde, fand sich erst in den 1970er Jahren mit dem Schlager vom bisschen Haushalt ein passendes Beispiel. Immerhin sollte es tatsächlich bis 1977 dauern, bis die Gleichberechtigung auch im Bürgerlichen Gesetzbuch ihren endgültigen Niederschlag fand. Immerhin bis 1969 waren Frauen nicht vollständig geschäftsfähig. Dass das Wirtschaftswunder auch mit dem Kasseler Stadtteil Rothwesten verbunden ist (hier wurde im Konklave die Währungsreform beschlossen und vorbereitet), erzählte Renate Häusler zur Illustration des „Konjunktur Cha-Cha“. Und auch die „gute Butter“ fand zusammen mit der „Fresswelle“ ihren Platz im Programm. Die Polka „Anneliese“ interpretierte Roland Häusler mit hinreißend böhmischem Zungenschlag, der auch seine eigenen sudetendeutschen Wurzeln deutlich machte.

Ein Wiederhören gab es auch mit Schlagern wie „Pack die Badehose ein“, „Die süßesten Früchte“, „Zwei kleine Italiener“ oder dem Elvis-Song „Love me tender“. Die augenscheinliche Harmlosigkeit der Texte kontrastierte dabei deutlich mit dem Wissen um die beschwiegene und verdrängte Vergangenheit. Mit zwei schwarzhumorigen Chansons von Georg Kreisler erinnerten Renate und Roland Häusler daran, dass Emigranten und Überlebende der Shoah es auch nach dem Krieg in Deutschland alles andere als leicht hatten.

Mit Evergreens wie „Itsy bitsy teenie weenie“, den „Kindern aus Piräus“ oder „Schuld war nur der Bossa Nova“ beschworen die Häuslers noch einmal Bilder vom blauen Meer, von Sonnenschein und Dolce Vita herauf und verliehen dem Spätsommer-Nachmittag einen vergnüglich-leichten Schlusspunkt, für den sich das Publikum mit anhaltendem Applaus revanchierte.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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