Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Samstag, 31. August 2019, 19 Uhr | Imshäuser Jahrestreffen

Nur eine „ganz kleine Clique“?

Die NS-Ermittlungen über das Netzwerk vom 20. Juli 1944

Gespräch mit
Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein
Historikerin und Kuratorin (Dresden)
Herrenhaus im Trottenpark Imshausen

Der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, der sich in diesem Jahr zum 75. Mal jährt, ist ein Ereignis, das in zahlreichen Büchern und Filmen verarbeitet wurde. Die meisten bisher erschienenen Pu-blikationen porträtieren einzelne Persönlichkeiten, schildern die damaligen Ereignisse, widmen sich den Fragen nach Motiven und Zielen der Beteiligten oder stellen die Frage des Umgangs mit den Nachwirkungen des Umsturzversuches.

Nur wenige Darstellungen haben bislang die zahlreichen und komplexen Verbindungen zwischen den Akteuren des Widerstands in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Dabei waren gerade die verzweigten, auf Vertrauen und persönlichen Beziehungen basierenden Kontakte und Netzwerke eines der wichtigsten Merkmale des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Sehr stark wird in den meisten Darstellungen der Fokus auf einzelne Akteure gelegt, dadurch geht der größere Zusammenhang oft verloren.

Dabei waren es rund 200 Personen, die aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 beteiligt waren. Etwa 130 Personen wurden von den NS-Ermittlern als Beteiligte eingestuft. Die Staatsstreichvorbereitung war ein komplexes Unterfangen, bei dem alle Beteiligten bestimmte Funktionen im Netzwerk hatten. Linda von Keyserlingk-Rehbein hat in ihrem Buch das Zusammenspiel verschiedenster Faktoren des umfangreichen Bezie-hungsgeflechts intensiv untersucht und zeigt, was die NS-Ermittler tatsächlich über das große und komplexe zivile und militärische Netzwerk vom 20. Juli 1944 wussten, das so unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen miteinander verband wie Offiziere, Verwaltungsbeamte, Diplomaten, Juristen, Industrielle, Theologen, Gutsbesitzer, Gewerkschafter und Sozialdemokraten.

Zur Person

Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein studierte neuere und neueste Geschichte sowie neue deutsche Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Greifswald. Sie ist Kuratorin am Militärhistorischen Museum in Dresden und Leiterin der dortigen Dokumen-tensammlung, für die sie zahlreiche Nachlässe zum 20. Juli 1944 aus Privatbesitz gewinnen und der Forschung zugänglich machen konnte.

Keyserlingk-Rehbein kuratierte Sonderausstellungen zum 20. Juli 1944 und konzipierte den entsprechenden Bereich in der neuen Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums. Seit vielen Jahren publiziert sie zu den Themen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zu Methoden der Historischen Netzwerkanalyse.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.


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