Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Vor 100 Jahren ist Heinrich von Trott geboren: Veranstaltung zum Gedenken an ihn

Oft gegen den Strom

Über die Umkehr des Menschen nachdenken und über die Zärtlichkeit eines großen, kantigen Mannes – mit diesen Worten, die Pfarrer Reiner Weiß für seine Erinnerungen an Heinrich von Trott zu Solz fand, lässt sich die Stimmung zusammenfassen, die die Veranstaltung zu dessen 100. Geburtstag prägte, zu der sich mehr als 60 Teilnehmende in der Halle des Imshäuser Herrenhauses zusammengefunden hatten.

Nach dem Krieg lebte Heinrich von Trott in Süß, wo er ein Sägewerk betrieb. 1949 errichtete er zusammen mit seinem ältesten Bruder Werner das Gedenkkreuz, das oberhalb Imshausens an Adam von Trott und seine Freunde aus dem Widerstand erinnert. Besonders wichtig war es ihm, seine Erfahrungen an die nachgeborenen Generationen weiterzugeben, daher pflegte er intensive Kontakte nicht nur zu intellektuellen Köpfen wie beispielsweise dem Schriftsteller Reinhold Schneider oder dem Herausgeber der Kultur-Zeitschrift „Brenner“, Ludwig von Ficker, sondern stand auch Schülerinnen und Schülern als Zeitzeuge Rede und Antwort.

Pfarrer Reiner Weiß erinnerte sich an Heinrich von Trott zu Solz.

Zur Erinnerung an Heinrich von Trotts 100. Geburtstag waren zahlreiche Familienmitglieder und Wegbegleiter Heinrich von Trotts nach Imshausen gekommen. In seiner berührenden und sehr persönlich gehaltenen Rede charakterisierte Kurt Meyer aus Rotenburg Heinrich von Trott als einen Menschen, der es anderen nicht immer leicht gemacht habe, der immer auf seinem Recht auf Autonomie und Zweifel bestanden und eine deutliche Botschaft vermittelt habe. Heinrich von Trott, so Meyer, habe ihm eine Ahnung von gernerationenübergreifenden Zusammenhängen vermittelt, in die jeder Mensch hineingeboren sei und er sei unbeirrbar seinen eigenen Weg gegangen und dabei oft gegen den Strom geschwommen. Widerstand sei für Heinrich von Trott eine Lebenshaltung gewesen. Markus Ritter, der Heinrich von Trott während seiner Schulzeit als Zeitzeugen kennen gelernt hatte, würdigte dessen verbindende und verbindliche Art. Trott habe ihm ein Gespür dafür vermittelt, wie sie Heimat anfühlen könne.

Ergänzt wurde die Veranstaltung durch von Friedhelm Großkurth gelesene Texte von und über Heinrich von Trott, durch literarische Texte, von Ingeborg Bachmann, Paul Celan und Wassilij Grossmann, die er beonders schätzte. Ein kurzes Filmdokument von Achim Meyer, das Heinrich von Trott in seinem Haus beim Lesen aus seinen Tagebüchern zeigte und Musik unter anderem von Franz Schubert, die von Wolfgang Möller auf dem aus Familienbesitz stammenden Bechstein-Flügel gespielt wurde, komplettierte das Programm.

Hintergrund

Heinrich von Trott zu Solz wurde 1918 als zweitjüngstes von insgesamt acht Kindern von Eleonore und August von Trott geboren. Er war der jüngere Bruder des Widerstandskämpfers Adam von Trott, der 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler in der Hinrichtungsstätte Plötzensee ermordet wurde. Heinrich von Trott, der als junger Mann zunächst Anhänger der Nationalsozialisten gewesen war, wandte sich noch während seiner Schulzeit wieder vom Nationalsozialismus ab und suchte Kontakte zu Kritikern des Systems. Am Hinrichtungstag seines Bruders Adam von Trott desertierte Heinrich von Trott als Offizier in Frankreich und begab sich in britische Gefangenschaft. Damit verwirklichte er, wie er später berichtete, einen bereits zu Beginn des Krieges gefassten Plan.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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