Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Freitag, 27. Oktober 2017, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch

Kreisgang

Eine filmische Annäherung an den Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007)

Film und Gespräch mit
Dr. Elisabeth Raiser
Historikerin (Berlin)
Herrenhaus Imshausen

Als junger Physiker gehörte Carl Friedrich von Weizsäcker zu den Forschern, die an der Entwicklung der Uranbombe beteiligt waren, ohne das Projekt voranzutreiben, oder umgekehrt, es zu boykottieren. In der Nachkriegszeit setzte sich Weizsäcker intensiv für eine bewusste Verantwortung der Wissenschaftler für die Folgen ihrer Forschung ein. 1957 verfasste er die so genannte Göttinger Erklärung der 18 Atomwissenschaftler gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit in der Physik und Philosophie setzte er sich in der Öffentlichkeit für eine von den internationalen Pugwashkonferenzen inspirierte Friedenspolitik ein und rief beim Düsseldorfer Kirchentag 1985 zu einem Konzil des Friedens der Kirchen auf.

Für ihren Dokumentarfilm „Kreisgang“, der im Mai 2017 erstmals gezeigt wurde und der in Imshausen auch erhältlich sein wird, hat Weizsäckers Tochter Dr. Elisabeth Raiser mit vielen Zeitzeugen und Weggefährten gesprochen. Aus Gesprächen und Dokumenten ist ein eindringliches filmisches Porträt entstanden, die auch die ambivalenten Facetten der Persönlichkeit Carl Friedrich von Weizsäckers beleuchtet.

Über ihren Vater schreibt Elisabeth Raiser: „Mein Vater war kein Held. Er hat keinen aktiven Widerstand geleistet wie einige seiner Freunde und Bekannten, Albrecht Haushofer oder Ulrich von Hassell. Er hat Deutschland nicht verlassen, sondern blieb auch unter dem verbrecherischen Regime hier. Das führte dazu, dass er sich bis zu einem gewissen Grad kompromittierte, um wissenschaftlich arbeiten und unsere Familie ernähren zu können. Aber wie hätte ich mich verhalten – hätte ich den Mut gehabt in den Widerstand zu gehen, wenn das im KZ oder im Tod hätte enden und die Familie in Sippenhaft hätte bringen können? Hätte ich das Land verlassen und wäre in die ungewisse Emigration gegangen? Ich verurteile meinen Vater nicht. Ich anerkenne im Gegenteil, dass er schon 1945 sich zu seiner Schuld bekannt hat und die Verantwortung für eine lebendige Demokratie und für die Erhaltung des Friedens nach dem Krieg voll übernommen hat.“

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns!

Zur Person

Die Historikerin Dr. Elisabeth Raiser, war Dozentin am Dolmetscherinstitut in Genf und am European Womens College in Zürich. Sie leitete einige Jahre das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Europa, als dessen Vertreterin sie unter anderem an der Baseler Ökumenischen Versammlung teilnahm. Von 2001 bis 2007 war Raiser Mitglied im Vorstand des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 2003 war sie evangelische Präsidentin des ersten Ökumenischen Kirchentages in Berlin. Elisabeth Raiser ist Mitglied des Beirates der Stiftung Adam von Trott, Imshausen e.V. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand leitete sie als Regisseurin die Dreharbeiten für einen Film über Frauen in der Ökumene und für einen Film über ihre Mutter Gundalena von Weizsäcker. 2017 beendete sie die Arbeiten am Film „Kreisgang“ über ihren Vater Carl Friedrich von Weizsäcker.


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