Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Festschrift für Friedrich Justus Perels

Die Rolle der Juristen im
Widerstand gegen Hitler

Herausgegeben von der Stiftung Adam von Trott, Imshausen e.V.

2017, 232 S., brosch., 68,– €
ISBN 978-3-8487-4353-7
eISBN 978-3-8452-8577-1
nomos-shop.de/30211

Am 13. November 2010 feierte die Stiftung Adam von Trott, Imshausen e.V. den 100. Geburtstag von Friedrich Justus Perels, den Justitiar der Bekennenden Kirche. Nun sind die Beiträge zu dieser Tagung beim Nomos Verlag erschienen.

Er war der zweite Sohn des liberalen Universitätsprofessors Ernst Perels und dessen Ehefrau Antonie, geborene Hermen, die in der Johannesgemeinde in Lichterfelde-West in Berlin lebten. Friedrich Justus Perels war aktiv in der christlichen Jugendarbeit und stand in enger Beziehung zu Martin Niemöller. Er studierte unter anderem bei Gustav Radbruch Jura. Da mehrere Familienmitglieder nach 1933 ihre Universitätspositionen aus „rassenpolitischen“ Gründen verloren, trat er früh der „schrankenlose(n) Struktur der öffentlichen Gewalt …hautnah entgegen.“(Joachim Perels 2005 auf dem hannoveraner Kirchentag).

Im April desselben Jahres der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Friedrich Justus Perels Rechtsrefrendar. Er schrieb an Martin Niemöller: Da „die Männer der Reichsleitung (der deutschen Christen) täglich theologische Ausführungen machen, die für die Kirche Jesu Christi schlechterdings untragbar sind,…(haben wir) die Aufgabe, auch formell Distanz zu dieser Glaubenslehre zu halten und den neutestamentlichen Angriff seinem Wesen gemäß vorzutragen.“ Er stellte sich dem Pfarrernotbund als juristischer Berater zur Verfügung, der sich im September 1933 gründete.

1936 wurde der Landesgerichtsdirektor i.R. Friedrich Weissler inhaftiert und ins KZ Sachsenhausen gebracht. Er war auch Rechtsberater des Bruderrates der Altpreußischen Union, die somit ihren Rechtsberater verlor. Dieser galt als einer der Verfasser der mutigen Denkschrift der Zweiten vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche, die im Ausland veröffentlicht worden war. Sie wandte sich gegen die „Entchristlichung des Volkes, die Einrichtung der Gestapo, die Konzentrationslager, die Willkür und Rechtsverfälschung und die Verfolgung der Juden und Andersdenkenden. Friedrich Justus Perels übernahm diese Aufgabe des Rechtsberaters des Bruderrates der Altpreußischen Union und besuchte Weissler in der Haft. Im Folgenden Jahr 1937 wurde Weissler dort ermordet. Neben seiner Arbeit als Rechtsanwalt leitete Friedrich Justus Perels das Büro der Bekennenden Kirche in Berlin.

Zu Dietrich Bonhoeffer verband ihn eine enge Freundschaft. Mit ihm beteiligte er sich 1941 an einer Aktion zur Unterstützung der Flucht von 14 Personen. Ebenfalls mit ihm formulierte er eine Eingabe an Offiziere, die zum deutschen Widerstand gehörten, gegen die Deportation von Juden. Er kümmerte sich um die Angehörigen der verfolgten Minderheiten als Christ, um die Mit-Widerstandskämpfer als christlicher Anwalt. Er kämpfte gegen das Verbrecherregime als christlicher Jurist und politischer Widerstandskämpfer, der bereits den Weg für die Demokratisierung nach dem Sturz des Diktators zusammen mit Anderen vorbereiten half. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Friedrich Justus Perels als Mitverschwörer verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof unter der Leitung von Roland Freisler zum Tode verurteilt und in den letzten Kriegstagen, in der Nacht vom 22. Auf den 23. April 1945, als einer der Jüngsten aus diesem Kreis ermordet.

Seiner Familie sprach er Trost zu. Sein Leben ist ein Vorbild. Dies kann in noch viel breiterem Rahmen als bis dato auch innerhalb der christlichen Bewegungen bewusst werden. Hierin liegt der langfristige Trost, den er hinterlässt: seine Menschlichkeit und integrative Kraft in seinem Bezug zu den „Verdammten dieser Erde“ – seien es Verfolgte, ethnische oder religiöse Minderheiten, politisch Andersdenkende, Gefangene, Tod-Geweihte - , seine Suche nach Mitkämpfern gegen Rassismus, Rechtlosigkeit, Chauvinismus, Exklusion.

Wegen der Beteiligung seines Sohnes an dem gescheiterten Attentat wurde der Vater Prof. Ernst Perels im Oktober 1944 in Sippenhaft genommen, zunächst in das KZ Buchenwald und später in das KZ Flossenbürg deportiert, wo er am 10. Mai 1945 starb, kurz nach der Befreiung des Lagers.

Clarita Müller-Plantenberg

Der Band enthält Portraits von Friedrich Weißler, dem Mitverfasser der Denkschrift der Bekennenden Kirche über die Rechtsverletzungen des Hitlerregimes von 1936 und von F.J. Perels, juristischer und christlicher Freund von Dietrich Bonhoeffer. Porträtiert werden Josef Wirmer, Exponent des katholischen Widerstands und designierter Justizministers einer Regierung des 20. Juli, Adam von Trott zu Solz, Jurist im Kreisauer Kreis, Richard Schmid, Anwalt der illegalen Sozialistischen Arbeiter Partei, zu der der junge Willy Brandt gehörte. Hinzu kommt ein Portrait über Wolfgang Abendroth, der aus der kommunistischen Partei Opposition kam, später, Mitglied der SPD war und der Vereinigung Deutscher Staatsrechtslehrer angehörte. Schließlich wird die völkerrechtliche Erbschaft und Aktualität des Widerstands, insbesondere der Gedankenwelt des Kreisauer Kreises entfaltet. Die theologische Dimension des christlich begründeten Widerstands rundet die Andacht von Cornelius Bundschuh ab, die auf der Tagung gehalten wurde.
Das Buch eröffnet eine neue Dimension der weitgehenden juristischen Einheit des politischen Widerstands gegen Hitler, die in der DDR und in der Bundesrepublik jahrelang aus unterschiedlichen Gründen aus dem Blickfeld geraten war. Es war symptomatisch dass der Staatssekretär Konrad Adenauers, Hans Globke, die Nürnberger Gesetze gegen die Juden von 1935, affirmativ kommentiert hatte.
Mit Beiträgen von:
Prof. Dr. Jochen Cornelius Bundschuh
PräsLG i.R. Hans-Ernst Böttcher
RiBVerwG i.R. Dr. Dieter Deiseroth
Dr. Claudia Fröhlich
Dr. Gregor Kritidis
Prof. Dr. Helmut Moll
Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg
Prof. Dr. Joachim Perels
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Peter Schneider
RA Dr. Andreas Schott