Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz

Auf ganz eigenem Weg

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz am 19. September hat nicht nur eine internationale Tagung stattgefunden. Es gibt auch eine umfangreiche Gedenkschrift in Buchform zum Geburtstag der Ärztin, Psychoanalytikerin und Witwe von Adam von Trott.

In zahlreichen Beiträgen von ihr selbst, Freunden, Wegbegleitern, Lehrern und anderen kreist die Schrift um die Frau des Mannes, der im Juli 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler als Widerstandskämpfer hingerichtet worden ist. Sie war zu der Zeit 26 Jahre alt und hatte zwei kleine Töchter (zwei Jahre/ neun Monate). Das Buch gliedert sich in die drei Abschnitte „Freundeskreis“, „Versöhnung und Frieden – Rechtsstaatlichkeit und Würde“ sowie „Erinnern gemeinsamer Maßstäbe“.

Familientreffen zur Gedenkfeier für Adam von Trott zu Solz und die anderen Widerstandskämpfer am 20. Juli. 2004 in Imshausen am Trottenkreuz: Das kleine Foto zeigt rechts Adam von Trotts Witwe Clarita mit den Töchtern Clarita und Verena.

Die heutige Vorsitzende der Stiftung Adam von Trott in Imshausen, Dorothee Engelhard, schreibt über die Festschrift: „Die großen Themen ihres Lebens, Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Würde haben ihren Platz wie auch ihr persönliches Anliegen zu verstehen und zu versöhnen, dem sie mit Hilfe der Psychoanalyse näher zu kommen suchte.“

Freunde aus der Zeit des Widerstands und der Nachkriegszeit kommen ebenso zu Wort wie Clarita selbst. So äußerte sie sich zum Beispiel im Interview von Ludger Arnold im Jahr 1977 zu ihrem Vermächtnis. Sie spricht hier von „gewissen Eigenschaften als einer Richtschnur für dieses Leben, was nicht vergeudet ist, was sich lohnt, (...) auch wenn es so ernst endet wie das unserer Freunde (...).“

Clarita Müller-Plantenberg, die 1943 in Imshausen geborene zweite Tochter, schreibt: „Obwohl die Nationalsozialisten nicht mehr die Macht hatten, waren sie noch da.“ Frauen wie ihre Mutter kämpften für die Wiederherstellung eines humanen Rechtsstaats, für die Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrecher und eine demokratische Verfassung.

Der Rotenburger Lehrer Kurt Meyer berichtet über seine Annäherung an Adam von Trott, an die Geschichte des Trottenkreuzes auf der Höhe bei Imshausen und über die Begegnung einer Schulklasse mit Clarita von Trott. „Ihr Denken und Handeln, so schien mir, waren auf die Gegenwart ausgerichtet“, erklärt Meyer, der sich selbst in einem Buch mit der Rolle seines Vaters im Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat.

Um die Erinnerungskultur an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra geht es in einem weiteren Beitrag von Ludger Arnold, der pädagogischer Leiter der Schule ist. Die menschliche Wärme Clarita von Trotts beschreibt der englische Journalist des Oberservers, David Astor, auch die Filmemacherin Hava Kohav Beller (Das ruhelose Gewissen) erinnert sich an Clarita, die 2013 in Berlin gestorben ist. Die Schrift eröffnet wie ein Puzzle eine Innenansicht des damaligen Widerstands, der bis heute Lehrstück ist. Sie zeichnet aus unterschiedlichen Perspektiven ein Bild von der Persönlichkeit einer besonderen Frau, die sich wie ihr Mann nicht ins Private zurückgezogen hat, sondern der Verantwortung jedes einzelnen für ein menschliches Gemeinwesen gestellt hat.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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Film und Gespräch mit
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Dienstag, 14. Novermber 2017, 19 Uhr | Imshäuser Gespräch
Nach der Bundestagswahl diskutieren wir über Hintergründe, neue Herausforderungen und Aufgaben
Gespräch und Diskussion mit
Dr. Monika Hölscher, Hessische Landeszentrale für politische Bildung (Wiesbaden)
Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau und Sprecher der Hessischen Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten (Guxhagen)
Ludger Arnold, Pädagogischer Leiter der Adam-von-Trott-Schule Sontra
Visser ’t Hooft-Haus im Trottenpark, Imshausen