Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Zivilgesellschaften stärken – mehr Engagement der EU

Stiftung wählt neuen Vorsitzenden und diskutiert mit Michael Roth

Es war ein ausgefüllter Tag für die Mitglieder der Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Vor der Veranstaltung mit Staatsminister Michael Roth zur Verantwortung Europas in den Krisenherden der Welt wählte die Mitgliederversammlung des Vereins Staatssekretär Prof. Dr. Roland Merten aus dem thüringischen Oßmannstedt zum Vorsitzenden des Vorstandes. Die Neuwahl war aufgrund des Todes von Dr. Reinhard Höppner notwendig geworden. Seiner hatten sich die Mitglieder zuvor in einer Andacht erinnert.

Mit einem leidenschaftlichen Appell für mehr Verantwortung Deutschlands und Europas in der Welt begann der Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, der der Stiftung als Mitglied und seit 2006 als Beiratsmitglied eng verbunden ist, seinen Impulsvortrag. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spiele eine wesentliche Rolle: Nur wer die Vergangenheit kenne, könne ein echtes Verständnis für die Sorgen und Ängste von Nachbar- und Partnerländern entwickeln. Seiner Wahrnehmung nach, so Roth, seien es weniger mangelnde Sprachkenntnisse als Defizite im Wissen über Geschichte, die die Zusammenarbeit erschwerten.

Staatsminister Michael Roth, Referent beim Imshäuser Gespräch, im Publikum. Im kleinen Bild der neue Vorsitzende der Stiftung, Staatssekretär Prof. Dr. Roland Merten, aus Oßmannstedt.

Roth hob besonders die Rolle der Europäischen Union hervor, die seit mehr als sieben Jahrzehnten dafür gesorgt habe, dass in ihr nicht mehr das Recht des Stärkeren gelte, sondern die Herrschaft des Rechts. Allerdings seien in den letzten Jahren die Krisen der Welt sowohl geographisch als auch von den Auswirkungen her immer näher an die EU herangerückt, sodass eine gemeinsame außenpolitische Strategie immer notwendiger werde. Das Problem sei allerdings, dass es für die komplexen Anforderungen keine eindeutigen und einfachen Lösungen geben könne. Michael Roth bekräftigte, dass er die Entscheidung der Bundesregierung für Waffenlieferungen an die Kurden im Irak für richtig halte. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber es gebe seiner Wahrnehmung nach sowohl ein Schuldig-Werden durch Nicht-Handeln, als auch eines durch Handeln. Dennoch könne von einer Militarisierung der Außenpolitik nicht die Rede sein, die Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen nehme auch in seiner täglichen Arbeit einen breiten Raum ein. Allerdings führe dieser Bereich in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Schattendasein.

Gerade Deutschland profitiere ungemein von der zunehmend vernetzten Welt. Daher werde von der deutschen Regierung auch von den Partnerländern immer mehr Verantwortungsübernahme erwartet. Diese Verantwortung umfasse jedoch nicht nur militärische Einsätze, sondern auch finanzielle Mittel, Ideen und Kreativität. Demgegenüber stünde die Tatsache, dass rund zwei Drittel der Deutschen sich dafür aussprächen, dass sich Deutschland aus Konflikten heraushalte. Als Politiker sehe er, so betonte Roth, sich dazu verpflichtet, sich dem Gespräch mit der Öffentlichkeit zu stellen und eine Debatte über die außenpolitische Linie des Landes anzustoßen. Roth sprach sich trotz zahlreicher kritischer Einwände aus dem Imshäuser Auditorium deutlich dafür aus, dass Deutschland mehr Verantwortung übernehmen müsse. Dies solle allerdings ausschließlich im Rahmen der Europäischen Union geschehen. Die Stärkung der Zivilgesellschaften sei nach wie vor die wichtigste Unterstützun, die die Gemeinschaft geben könne.

Zur Person

Roland Merten wurde 1960 im saarländischen Schmelz geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik, der Sozialen Arbeit und der Philosophie war Merten an verschiedenen Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg tätig. 2004 trat er eine Professur für Sozialpädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena an, seit November 2009 ist Merten Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Merten ist verheiratet und lebt in Oßmannstedt bei Weimar.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.



Montag, 06. November 2017, 19 Uhr | Trott Lecture
Eine europäische Aufgabe
Vorlesung von
Marianne Birthler
Ehem. Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik


Dienstag, 14. Novermber 2017, 19 Uhr | Imshäuser Gespräch
Nach der Bundestagswahl diskutieren wir über Hintergründe, neue Herausforderungen und Aufgaben
Gespräch und Diskussion mit
Dr. Monika Hölscher, Hessische Landeszentrale für politische Bildung (Wiesbaden)
Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau und Sprecher der Hessischen Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten (Guxhagen)
Ludger Arnold, Pädagogischer Leiter der Adam-von-Trott-Schule Sontra
Visser ’t Hooft-Haus im Trottenpark, Imshausen